Das geistige Lehrwerk von Bô Yin Râ
Gerade gegenwärtig ist die Ehe Gegenstand vieler Diskussionen. Die moderne Gesetzgebung beachtet die Gleichberechtigung der Frau. Das Konkubinat ist offiziell anerkannter Status. Beinahe jede zweite Ehe wird in Ländern europäischer Zivilisation wieder geschieden. Bereits spricht man von Ehe bei gleichgeschlechtlicher Partnerschaft. Diskussionsthema und Unsicherheit des Fühlens sind nicht neu. Fast alles, was als modernste Ideen ausgegeben wird, stammt aus den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Dieses Buch stammt aus der gleichen Zeit. Im Gegensatz zu den schillernden Modeströmungen, denen nichts heilig ist, gründet jedoch die Lehre Bô Yin Râ's in jahrtausendealtem tiefsten Wissen, das bisher sorgsam gehütet wurde. Es ist für echt Liebende tröstlich zu wissen, dass ihre Gefühle nicht Illusion sind. In der Verschiedenheit von Mann und Frau beruht alles Seiende, Sichtbares und Unsichtbares. Die beiden Pole sind daher absolut gleichwertig, müssen es sein, um eine in sich geschlossene Einheit bilden zu können. Die treu gehaltene Einehe ist die einzige Form des Zusammenlebens der Geschlechter, welche dem unsterblichen geistigen Wesen des Menschen entspricht. Es lohnt sich, dieses Buch, das seine Aktualität nie verlieren wird, wieder und wieder zu lesen.
In diesem knappen und eindringlichen Band wird in drei Betrachtungen zu der geheimnisvollen Stelle vom Bitten, Suchen und Anklopfen in der Bergpredigt das Mysterium des Betens dargetan. Es fällt einem wie Schuppen von den Augen. Dann wird gezeigt, wie die gesamte Erdenmenschheit durch wirkliches Gebet eine geistige Erneuerung ohnegleichen erfahren kann. Manchen religiösen Menschen dürften diese Aufschlüsse über die Kraft und den Sinn echten Betens so sehr ergreifen, ja, überraschen, als habe er, trotz einer Legion von alten und neuen Büchern über das Beten, nun endlich erst gelernt und begriffen, was denn eigentlich Gebet ist. Am Schluss findet der Leser 24 Gebetstexte für die entscheidendsten Daseinsumstände.
Sonderdruck mit den Gebeten aus dem Buch "Das Gebet"
Schon in der unbelebten Natur, mehr noch im Pflanzen- und Tierreich manifestiert sich ein formendes Prinzip. Im Menschen allein kann der freie lebendige Geist der Ewigkeit - wenn auch durch die Mängel des tierischen Körpers eingeschränkt - auf dieser Erde schöpferisch werden. Nur wenige Erleuchtete und grosse Künstler haben die Gabe erhalten, ihr innerstes Erkennen und Fühlen in Wort, Ton oder Bild umzugestalten. Glaubhaft schildert der Verfasser, dass die Formung seiner selbst den Tod des Erdenleibes überdauert. Sie ist das einzige, was wir in das andere Leben hinübernehmen können.
Hier wird dem Suchenden eine Reihe von Wortgebilden an die Hand gegeben, die durch ihre Einwirkung auf die Seele wieder und wieder zeigen, dass die geistige Kraft gewisser Lauteformen, die altindische Weisheit entdeckte, durchaus nicht nur an das Sanskrit gebunden sind.
"Ich bin, der ich bin", sagte die Stimme im brennenden Dornbusch auf die Frage von Moses: "Wenn sie mich fragen, welches ist sein Name - was soll ich ihnen antworten?" Wäre Moses nicht in den enggesteckten Grenzen seines Stammesbewusstseins befangen geblieben, so wäre ihm die Kunde zuteil geworden, welche dieses Buch umschliesst. Das urewige, seiner selbst im höchsten Ich bewusste Leben spricht darin zu den Menschen unserer heutigen Zeit. Der Verfasser ist Vermittler und Former dieser Boschaft. Keineswegs bezieht er die Ichform der zwölf ersten Kapitel auf seine eigene Person, wie im Schnellverfahren lesende 'Kritiker' schon behauptet haben. Eine derartige Anmassung wäre mit der Bescheidenheit des Autors, die in seinen andern Büchern immer wieder zum Ausdruck kommt, auch völlig unvereinbar. Im letzten, 'Gelöbnis' betitelten Kapitel hingegen kann sich der Leser mit dem Angesprochenen identifizieren, der die Worte des Lebens in tiefer Dankbarkeit und eigenem Empfinden erwidert. Der echte Geist wirkt keine der lächerlichen Wunder, wie sie ihm Naivität und religiöse Propaganda immer wieder zugesprochen haben. Aber als Wunder im wahren Sinne muss es bezeichnet werden, dass in der heutigen Kirmes-Kultur, über den Marktzelten der billigsten Sensationen, den Achterbahnen des Verkehrs, dem Panoptikum verwildeter Kunst, den Zauberlabors der Wissenschaft und Technik, eine Stimme hoch über dem Lärm des Rummelplatzes vernehmbar wird.
In diesem Buch wird vieles zur Sprache gebracht, was in Prosagestaltung voluminöse Bände gefüllt haben würde.
Hier wird vieles zur Sprache gebracht, was in Prosagestaltung voluminöse Bände gefüllt haben würde.
Bô Yin Râ war ein entschiedener Gegner der Veröffentlichung von Briefen, die an ganz bestimmte Adressaten und unter ganz spezifischen Gegebenheiten geschrieben wurden. Die hier veröffentlichten Briefe wurden einstmals an viele Empfänger in jeweils ähnlicher Form gerichtet. Sie sind vom Autor hier in allgemeiner gehaltener Form gestaltet worden, da es sich um Inhalte handelt, die von den Lesern seiner Bücher immer wieder erläutert sein wollten.
Hortus conclusus, das letzte der 32 Bücher, die das Lehrwerk von Bô Yin Râ ausmachen, fasst nochmals in erhaben-nüchterner Sprache zusammen, was sich in irdischen Worten über die unendlichen Tiefen lebendigen Geistes überhaupt sagen lässt. Der Autor ist kein Mystiker, kein in Fantasien versponnener Dichter und auch kein grübelnder Philosoph. Er kennt die Realitäten dies- und jenseitigen Daseins aus eigener gesicherter Erfahrung. Der völlig in das Gewebe der Aussenwelt Verflochtene wird vom verschlossenen Garten bestenfalls ein paar über die Mauer ragende seltene Blüten gewahren. Die "Mauer" besteht nicht aus einer Geheimsprache oder gar einem Geheimbund, sondern aus dem Unverständnis des Tierhaften im Erdenmenschen, dessen instinktgebundenen Triebe und biologische Intelligenz den geistigen Kern eines Menschen gänzlich überwuchern können. Wer den Mut und die Ausdaueru aufbringt, einfühlend sein eigenes tieferes Sein zu suchen, dem gewähren die Bücher von Bô Yin Râ sicheres Geleit. Früher oder später wird sich ihm die Pforte jenes ewigen Gartens öffnen, den vergangene Geschlechter das Paradies nannten.
